Wie stehen die Chancen, eine IV-Rente zu bekommen?

Unser Fazit nach fünf Jahren aktiver Auseinandersetzung mit dieser Thematik: Seit einigen Jahren ist die Hürde zur Erlangung einer Rente sehr hoch. Die Invalidenversicherung wurde zur Eindämmung der Renten angehalten, Gerichte sind in Auslegung ihrer Urteilung sehr streng, was sich auch auf die Sichtweise der Gutachter auswirkt, setzen diese nämlich die gerichtlichen Anforderungen um. «Die IV wolle sparen», sagen Patientenanwälte. Daher habe sie bei der Rentenvergabe die Schraube angezogen. Wer nicht offensichtlich unheilbar krank sei, erhalte höchstens einen kleinen Beitrag. Damit das nicht auffalle, müssten Gutachter die Kranken gesundschreiben. Laut der Zeitschrift BEOBACHTER vom 15.08.2017 machte Dr. med. Ettlin (ehemaliger Leiter des Basler Zentrums für Medizinische Begutachtungen ZMB) immer wieder die Erfahrung, dass IV-Stellen versuchten, Gutachter zu beeinflussen. Meist in subtiler Form: etwa durch Rückfragen, die keine Verständnisfragen seien, sondern einen Versuch darstellten, einen Gutachter zu «biegen». Wir selbst haben die gleichen Erfahrungen gemacht.

 

Lohnt es sich, MediCore mit der Prüfung meiner Möglichkeiten oder für eine Zweitmeinung zu beauftragen?

Wir kennen sämtliche versicherungsmedizinischen internen und externen Abläufe, haben relevante Hintergrundinformationen, nutzen alle erdenkbaren juristischen Erkenntnisse und verfügen über ein kompetentes, unbefangenes und unabhängiges medizinisches Fachwissen. Unsere praktizierenden Mediziner sind mit den modernsten Methoden und Technologien auf dem aktuellsten Wissenstand und verfügen über ein sehr breites und tiefes Fachwissen auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet. Wir können selbstverständlich keine Erfolgsgarantie abgeben, aber wir sind transparent und fair in unserer Aussage und im Honorar. Ein positiver Entscheid kann eine jahrelange IV-Rente, eine Rente bei der Pensionskasse oder auch zusätzlich ein Einkommen über eine dritte Säule sichern. Es erhöht auf jeden Fall Ihre Chance, zu Ihrem Recht zu kommen. Gesunde Menschen schreiben wir aber nicht krank. Ratschläge, wie man sich ohne erhebliche Gesundheitseinschränkung die Chance für eine Berentung erhöhen kann, geben wir nicht ab. Es ist einzig unser Ziel, Menschen zu unterstützen in der Durchsetzung ihrer Rechte, wenn wir zur Ansicht gelangen,  dass ihr Anliegen nicht genügend gewürdigt worden ist.

 

Sind die von der IV beauftragten medizinischen Gutachter unabhängig?

Der KASSENSTURZ zeigte im Jahr 2016 bereits, dass bei manchen Gutachterstellen (MEDAS) die Chance auf eine IV-Rente fast dreimal so hoch ist als bei anderen. Diese ungerechte Bandbreite war damals schon erheblich und ist es auch heute. Es wird quasi um die Rente gewürfelt. Einzelgutachter und Vertrauensärzte von Versicherungen sind natürlich abhängig vom Auftraggeber, respektive Geldgeber. Je weniger Rente, desto mehr Aufträge. Die Tarifvereinbarungen aus dem Jahr 2012 sind bescheiden ausgehandelt worden – auch wenn der jeweilige begrenzte Pauschalbetrag für den Aussenstehenden sehr hoch erscheinen mag. Verschiedene Anläufe der Gutachter um Anpassungen scheiterten. Der Aufwand für die Erarbeitung von Gutachten ist ausserordentlich hoch, wird aber in Berücksichtigung von dessen Relevanz nicht gerecht entschädigt. Es liegt die Vermutung nahe, dass dieser frustrierende Umstand dazu führt, dass die Erarbeitung von Gutachten schnellstmöglich abgehandelt wird und in dieser Konsequenz auch wichtige Inhalte vernachlässigt werden. Je rascher gearbeitet wird, desto mehr Gutachten können erstellt werden. Nicht alle Gutachter lassen sich in ihrer Beurteilung von den IV-Stellen, bzw. deren Verantwortlichen, beeinflussen. Die Praxis ist aber so, dass Gutachter, welche im Sinne des RAD eingestellt sind, in ihrer Tätigkeit mehr Anerkennung erfahren. Gutachter oder Gutachterstellen, welche sich nicht an die Gangart der IV halten möchten riskieren einiges. Unter anderem eine latente Auseinandersetzung, langes Warten auf Honorare, keine Berücksichtigung für die freie Vergabe von Gutachtensaufträgen.  

 

Was macht ein gutes beweisfähiges Gutachten aus?

Ein Gutachten ist ein begründetes Urteil eines Sachverständigen über eine Zweifelsfrage. Es muss umfassend sein, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die geklagten Beschwerden der zu begutachtenden Person berücksichtigen, auf Kenntnis der Anamnese beruhen und die medizinische Beurteilung muss einleuchtend sein. Es stützt sich auf die übergebene Aktenlage, auf zusätzliche Unterlagen, auf weitere Beweismittel, auf die Befragung und die persönliche Untersuchung, auf die erhobenen Untersuchungsbefunde, auf Zusatzbefunde (Labor, Bildgebung, Neuropsychologie) und auf die Auskünfte von Drittpersonen. Die Wertigkeit basiert auf der Unabhängigkeit eines Gutachters. Höchste Wertigkeit inhaltlich hat ein umfassendes, gemäss Gutachtenleitlinien erstelltes medizinisches Gutachten mit Untersuchung der versicherten Person. Entscheidend ist die Fachkompetenz des Gutachters.

 

Muss ich den Entscheid eines Arztes vom Regionalen Ärztlichen Dienst akzeptieren?

Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, nein. Es gibt juristische Mittel. Die Ärzte des Regionalen Ärztlichen Dienstes der Invalidenversicherung sind natürlich selten Behandler. Vielfach haben sie bei Anstellung für den RAD die praktische Tätigkeit aufgegeben, es fehlt der regelmässigen Kontakt mit Patienten. Ausländische Ärzte, welche sich für eine Tätigkeit beim RAD entscheiden, waren oftmals überhaupt nicht in der Schweiz klinisch tätig. Dieser Missstand beruht darauf, dass die Rekrutierung von Personal für den RAD ein schwieriges Unterfangen bedeutet mit in der Regel tieferen Verdienstmöglichkeiten als in Klinik oder Praxis. Dafür sind allerdings die Arbeitsbedingungen lukrativ mit sehr guten Sozialleistungen, bezahlten Weiterbildungen und praktischen und niedrigen Arbeitszeiten, welche eine Seltenheit darstellen bei der Arbeit als Medizinerin oder Mediziner.  Sie entscheiden oft lediglich aufgrund der Akten. Auch wenn ein grosser Teil der RAD-Ärzte nie in der Schweiz als Arzt gearbeitet hat, haben die Gerichte entschieden, dass (wenn er auf dem entsprechenden Fachgebiet die entsprechende Ausbildung und Kompetenz vorweisen kann) in der Beurteilung objektiv agiert. Wir haben im Alltag zahlreiche andere Erfahrungen machen müssen. Laut einem Artikel der Aargauer Zeitung vom 19.06.2019 seien die IV-Stellen am viel längeren Hebel. Die Erfahrung zeige, dass IV-Stellen genauso Parteivertreter sind. Sie möchten aufgrund des Spardrucks in der IV möglichst keine Leistungen erbringen (Aussage Andra Mengis, Procap Schweiz).

 

Warum widersprechen sich der behandelnde Arzt und die Gutachter laufend?

Hausärzte und Gutachter widersprechen sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit häufig. Behandelnde Ärzte übernehmen oft die Selbsteinschätzung der Gesuchssteller, kennen aber vielfach auch die (anderen) Anforderungen der Versicherungsmedizin nicht. Dies ist grundsätzlich auch nicht ihre Pflicht als behandelnde Fach- und Vertrauensperson. Sie berücksichtigen in ihrer Beurteilung oft auch Faktoren wie Bildungsstand und schwierige Lebensumstände. Viele Ärzte wissen nicht, dass die Invalidenversicherung diese Faktoren generell nicht berücksichtigt. Sie allein gelten nämlich nicht als gesundheitliche Beeinträchtigung, sondern als Nebenerscheinung.

Das Resultat eines IV-Gutachtens hängt aber vereinzelt auch immer noch stark von den verantwortlichen Gutachtern ab. Es bräuchte einen Dialog zwischen Hausärzten, Juristen und den Gutachtern. Zum Wohl des Patienten müssten sich alle Beteiligten auf verbindliche Definitionen einigen. Dies ist aus Kostengründen und fehlender Kommunikationsbereitschaft der Parteien selten möglich.

Wir meinen: Die IV schreibt keine Checks für strenge Gutachten. Aber es hinterlässt ein ungutes Gefühl, dass die Begutachtungsinstitute ihren Lohn direkt von der Invalidenversicherung, Kranken- oder Unfallversicherung erhalten.

 

Ist die Auftragsverteilplattform der IV (SuisseMED@P) wirklich nach dem Zufallsprinzip ausgerichtet?

Gemäss Informationsseite der AHV/IV könne das Zufallsprinzip mit einer Ziehung aus einem Lottotopf verglichen werden. Für jede Ziehung (Auftragsvergabe) fülle sich ein Lotterietopf mit Gutachterstellen. Die Realität aber sieht so aus, dass derzeit in der deutschsprachigen Schweiz rund 20  MEDAS (wir arbeiten explizit nicht mehr für die Invalidenversicherung) eine Vereinbarung mit dem BSV (Bundesamt für Sozialversicherungen) haben und bei freien Kapazitäten Aufträge zugeteilt erhalten. Erwiesenermassen sind jeweils mehrere Unternehmen unter der gleichen Führung bzw. Inhaberschaft und etliche sogenannte Konsiliargutachter arbeiten für verschiedene Gutachterstellen. Laut Artikel der Aargauer Zeitung vom 18.01.2020 wurde das System ausgehebelt, was vom BSV bestätigt wurde. Nur einige wenige grosse Marktplayer bieten mehrere oder seltenere Fachgebiete an. Nicht anders sieht es Roger Peter in der Jusletter vom 16.09.2019: Die Vergabe kann gesteuert werden durch die Angaben bei den medizinischen Fachdisziplinen, Dossiersprachen und der Kapazität. Des Weiteren kann im System offenbar auch die Mindestanzahl an Gutachterstellen bestimmt werden, welche für das Auslösen eines Vergabeprozesses benötigt wird. Wird der Wert auf das Minimum gesetzt, ist zwar eine rasche Verteilung und damit schnellere Auftragsdurchführung gewährleistet, allerdings kann dies auch zur Folge haben, dass sich im Vergabetopf lediglich eine einzige Gutachterstelle befindet. Dadurch erachten auch wir auch heute noch das Zufallsprinzip (auch wenn derzeit eine Anpassung auf Druck des Parlaments ansteht) als nicht gewährleistet. Eine eigene Erfahrung unsererseits ist die, dass es zumindest in einer IV-Stelle vorkam, dass verteilte Aufträge wieder zurückgezogen worden sind. Dies mit der Begründung einer medizinischen Intervention der begutachteten Person. Eine weitere Verfolgung des Prozesses wird ab diesem Zeitpunkt für die MEDAS verunmöglicht. Ob «ungeliebte» MEDAS auf diese Weise der Auftrag entzogen wird, kann nicht belegt werden. Die Möglichkeiten der IV-Stelle, im Hintergrund diskret zu «administrieren», sind aber ungünstigerweise gegeben.

 

Kann ich nach einem negativen IV-Entscheid und als jetziger Sozialhilfeempfänger nochmals einen Antrag auf eine IV-Rente stellen?

Sie können jederzeit nochmals einen Anlauf starten. Voraussetzung dazu ist aber, dass sich Ihr Gesundheitszustand nachweislich verschlechtert hat. Dies müssen Sie belegen können. Wir empfehlen deshalb, uns unverbindlich im Vorfeld miteinzubeziehen.

 

 

Warum ist ausgerechnet MediCore unabhängig und neutral und viele andere nicht?

Wir haben die andere Seite des Gutachtergeschäfts kennen gelernt, haben selbst über 500 Gutachten erarbeitet. Wir haben hunderte von Presseartikeln und Gerichtsurteile studiert und mit diesen Erkenntnissen unser Wissen laufend erweitert. Wir haben sämtliche Tarifverträge und Vereinbarungen mit öffentlich-rechtlichen Institutionen und privaten Versicherungen gekündigt und fokussieren unser breites und tiefes Fachwissen ausschliesslich für die unabhängige und neutrale Beratung. Wir arbeiten nach einer im Voraus fest vereinbarten Honorarnote, welche nach Aufwand in Rechnung gestellt wird. Wir verlangen eine Einstiegspauschale im Sinne eines Vorschusses (wird im Anschluss mit dem Gesamtaufwand verrechnet) und teilen Ihnen sofort mit, ob und wenn ja, wie hoch Ihre Chancen sind. Wir sind aber auch fair zu Ihnen, falls wir keine Möglichkeiten sehen.

 

Wie hoch sind meine Chancen auf ein Taggeld oder eine Rente?

Ohne Akten können wir dies nicht beurteilen. Während der dreimonatigen Testphase haben wir festgestellt, dass wir für die Rechtsvertreter bei rund 25% der geprüften Gutachten eine vollständig andere Meinung vertreten. Es waren Fehler bei den grundsätzlichen Erstabklärung gemacht worden, welche sich bis zur Begutachtung durchgezogen hatten, weil der Gutachter selbst nicht die korrekten Grundlagen vorliegend hatte. Die von einigen Gutachtern verfassten Beurteilungen waren wenig aussagekräftig und basierten vielfach auf Akten und Vorbefunden, auf Angaben von Patienten wurde hingegen kaum eingegangen. Offensichtlich wurde auch, dass nur wenig Gutachter sich überhaupt mit der gesamten Aktenlage befasst hatten. Nicht selten gab es sprachliche Probleme, da Gutachter mit der schweizerdeutschen Sprache eindeutig nicht genügend vertraut waren und gemachte Aussagen völlig falsch interpretierten. Bei rund 50% erachteten wir die Beurteilung als zu streng und nicht fair. Darin sehen wir ein erhebliches Potential, um auf juristischem Weg eine Neuprüfung zu erwirken. Bei rund 50% ersahen wir keine Chance auf eine relevante Richtungsänderung.

 

Was verdienen Gutachterstellen von der IV?

Ein monodisziplinäres medizinisches Gutachten wird nach Tarmed-Tarif abgerechnet und kostet zwischen 3'000 bis 3'500 Franken. Polydisziplinäre Aufträge mit 3 Fachdisziplinen (der Facharzt für Allgemeine Innere Medizin ist Pflicht) werden fix mit 8'972 Franken entschädigt. Pro weitere Fachdisziplin wird der Betrag jeweils um 1'659 Franken erhöht, unabhängig ob das Dossier 300 oder aber 3000 Dokumente beinhaltet. Damit sind sämtliche Leistungen für die Gutachter und Fallführer, aber auch für die Gutachterstelle abgegolten, es beinhaltet somit auch sämtliche administrativen und infrastrukturellen Aufwendungen. Auch allfällige Rückfragen der IV-Stelle müssen ohne weitere Entschädigung nachträglich pro Fachgebiet beantwortet werden. Jeder Gutachter muss zwingend sämtliche Akten (Spitalberichte, Arztberichte, OP-Berichte, Abklärungen oder Informationen von Dritten, Statements des RAD, Arbeitgeberberichte) studieren, eine für sein Fachgebiet eigene Aktenlage erstellen, den Zeitaufwand für den Reiseweg zur Gutachterstelle sowie die Abklärungszeit von ca. 1,5 bis 2,5 Stunden einplanen, das eigene Gutachten (meistens zwischen 10 und 25 Seiten) verfassen (schreiben oder diktieren) und am Konsensus teilnehmen. Eventuell wird in der Folge nochmals eine Überarbeitung notwendig. Zum Schluss müssen alle Beteiligten das Gesamtgutachten für den Versand freigegeben. Bei einer Entschädigung von 1'659 Franken pro Fachgebiet (der Unternehmensaufwand ist sehr hoch) und einem Zeitaufwand von seriös gerechnet 10 bis 15 Stunden ergibt dies für den Facharzt einen Stundenlohn von 110 bis 165 Franken. Viele MEDAS bezahlen einem Teilgutachter jedoch lediglich pauschal zwischen 1'200 und 1'500 Franken pro Gutachten. Der «marktübliche» Honoraransatz eines versicherungsmedizinischen Gutachters (Facharzt mit langjähriger Erfahrung in seinem Spezialgebiet) beträgt jedoch zwischen 250 und 350 pro Stunde. Unsere Meinung: Auch wenn durch Presseberichte der Eindruck erweckt wird, dass es sich um ein Millionengeschäft handelt, so mag dies lediglich für einen kleinen Teil von Gutachtern stimmen. Nämlich für solche, die lediglich Monodisziplinäre Gutachten erarbeiten, dafür eine bescheidene Infrastruktur benötigen und den zeitlichen Aufwand gering halten. Dies ermöglicht die Annahme einer hohen Anzahl von Aufträgen. Polydisziplinäre Gutachten, welche aber in Komplexität und Aufwand viel höher einzustufen sind, sind aber unternehmerisch nicht lukrativ. Sie werden erst dann (wieder) unternehmerisch interessant, wenn der Kostensatz tief gehalten kann. In der Regel ist dies nur dann möglich, wenn die Gutachter nicht in der Schweiz ansässig sind.

Lohnt sich eine Beratung durch MediCore

Eine ablehnende Verfügung zu erhalten ist ein einschneidendes Erlebnis. Der Inhalt des formellen Schreibens ist sehr oft wenig einfühlsam. Menschen, die sich in einer schwierigen Lebensphase befinden, werden dadurch zusätzlich schwer getroffen.  Gewissheit bekommen, dass die eigene Situation gerecht beurteilt wurde und man nicht einem System ausgeliefert ist, hat grossen Wert. Wir kümmern uns und hören Ihnen gerne aufmerksam zu. Dies schafft Vertrauen. Eine Belastung abzugeben ist befreiend und gibt Energie, um das eigene Anliegen wieder sachlich zu betrachten und gemeinsam anzugehen. Für unsere Tätigkeit berechnen wir eine Honorarnote pro Stunde. Wir informieren laufend über den gemachten Aufwand und die aufgelaufene Forderung. Auf diese Weise bürgen wir für Transparenz. 

 

Wieviele medizinische Gutachten werden pro Jahr vergeben?

Es werden pro Jahr ungefähr 30'000 Gutachten vergeben. Zwischen 4'000 und 5'000 sind polydisziplinäre Aufträge der Invalidenversicherung. Aufgrund der zahlreichen Rentenrevisionen und einer massiven Zunahme an psychischen Erkrankungen sind die Zahlen steigend. Die Auswirkungen von COVID-19 werden in den nächsten Jahren erwartungsgemäss zu einer massiven Zunahme führen.

 

Wieviele Rentenanträge werden von der Invalidenversicherung abgelehnt?

Wir schätzen die Zahl auf mindestens 60%. Leider verweigern nach unseren Recherchen fast alle MEDAS, die IV-Stellen, das Bundesamt für Sozialversicherungen und die Privatversicherer detaillierte Zahlen. Dies trotz jahrlangem massivem Druck von Seiten der Rechtsvertreter und Behindertenorganisationen.

 

Gemäss Syna gibt es öfters Beschwerden über die Wiedereingliederung durch die kantonalen IV-Stellen und die Prozesse der IV-Rentenprüfung. Was ist da los?

Gemäss Thomas Bauer, Leiter Sozialpolitik von Travail.Suisse der Syna gibt es von Seiten der Invalidenversicherung zwei Formen von Missbrauchsfällen, die momentan auf Bundesebene geprüft werden. Die kantonalen IV-Stellen, welche Rentenabklärungen durchführen, müssen sich offenbar an Leistungsziele des BSV halten. In diesen Leistungszielen wird den jeweiligen kantonalen IV-Stellen vorgegeben, ob sie für das kommende Jahr weniger oder höchstens gleich viele IV-Renten sprechen dürfen. Für eine Versicherung sind solche Leistungsansprüche völlig absurd. Versicherten Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung muss gemäss Thomas Bauer der Gang zur Sozialhilfe erspart bleiben, auch wenn sie zuvor tiefe Einkommen erzielt haben. Es sei in diesem bürokratischen Prozess wichtig, eine kompetente Ansprechperson an seiner Seite zu wissen. Auch wir befürworten eine strenge Prüfung von IV-Anträgen. Diese jedoch an Jahresziele zu knüpfen und so einen internen Wettbewerb zwischen kantonalen IV-Stellen zu forcieren ist in unserer Betrachtung die falsche Umsetzung des eigentlichen Sozialversicherungsgedankens. Wir meinen, die drastische Vorgehensweise hat als Signal auch bei anderen Sozialversicherungen eingewirkt. Wenn die IV als erste Säule eine sehr harte Gangart einlegen darf, wieso sollten dann Unfall- oder Krankentaggeldversicherungen anders agieren?

 

Gibt es eine Meldestelle für Willkür bei IV-Gutachten?

Laut der Ausgabe vom 05.10.2020 der Diakonie Schweiz seien in den ersten sieben Monaten 250 Meldungen eingegangen, so der Dachverband der Behindertenorganisation Inclusion Handicap. Das Gutachterwesen ist für Aussenstehende eine Blackbox. Gespräche werden nicht protokolliert, niemand weiss, nach welchen Kriterien Aufträge vergeben werden und wie hoch die Ablehnungsrate jeweils ist. Versicherte sind den Experten ausgeliefert und Anwälte haben begrenzte Möglichkeiten, Gutachten anzufechten. Die Gerichte halten an der Annahme fest, dass Gutachter neutral sind, obwohl viele von Ihnen von der Invalidenversicherung stark wirtschaftlich abhängig sind.

 

Muss ich mich von einem ausländischen Gutachter begutachten lassen?

Etwa 25 bis 40% der medizinischen Gutachter sind als sogenannte 90-Tage-Dienstleister in der Schweiz tätig und haben somit keinen Bezug zur Schweiz. Nicht alle ausländischen Gutachter sind aber allein aus diesem Umstand heraus weniger gute Fachleute. Wir kennen einige sehr versierte und faire Versicherungsmediziner aus dem Ausland. Die Anzahl von Gutachtern, welche aber die schweizerischen Gepflogenheiten zu wenig kennen für eine derart bedeutungsvolle Tätigkeit, sind aber – so unsere eigene Erfahrung – viel zu hoch. Sie können im Vorfeld einer Begutachtung jeden gewählten Facharzt ganz einfach eruieren im Medizinalberufsregister (medregom.admin.ch). Jeder medizinische Gutachter in der Schweiz muss zwingend beim BAG (Bundesamt für Gesundheit) angemeldet sein und über ein von der Medzinalberufungskommission anerkanntes Diplom verfügen. Ebenfalls muss im entsprechenden Kanton eine Berufsausübungsbewilligung vorliegen. Versicherungsanwälten, Behindertenorganisationen sowie behandelnden Schweizer Ärzten sind ausländische Ärzte mit reguliertem Aufenthalt von 90 Tagen ein Dorn im Auge. Die räumliche Distanz verführe zu übermässiger Härte. Sie sollten auf jeden Fall mit den Schweizer Verhältnissen vertraut sein, mit dem Arbeitsmarkt, dem gesellschaftlichen Umfeld (Beispiel: Weiss ein Arzt aus Berlin, was ein Bündner oder Walliser Bergbauer überhaupt macht und versteht er den Schweizer Dialekt?) sowie mit dem Gesundheitswesen. Es würde zum Vergleich auch keinem Gericht in den Sinn kommen, für die Schätzung eines Chalets in Grindelwald einen deutschen Immobilienmakler aus Hamburg einzufliegen. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) verteidigt diese Praxis trotz der geballten Kritik.